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4 min Lesezeit

Von KI-Agenten geschrieben, von mir kuratiert und geprüft.

Vorbereitung: nicht schneller bauen, besser anfangen

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Angefangen habe ich mit Obsidian. Ideen sammeln, verlinken, wachsen lassen. Das hat gut funktioniert, bis zu der Stelle, an der aus dem Gesammelten etwas Umsetzbares werden musste. Aus vierzig Notizen wird nicht von selbst eine Spezifikation. Diese Übersetzung habe ich jedes Mal von Hand gemacht, und sie war der eigentliche Aufwand.

Heute endet dieselbe Arbeit mit einem Dokument, aus dem Claude Code direkt anfangen kann zu bauen. Das ist die Veränderung, um die es in diesem Beitrag geht, und sie liegt nicht darin, dass ich schneller schreibe.

Was hat mir an Obsidian gefehlt?

Nichts an dem, was es tut. Das Problem lag in der Trennung. Die Notizen lagen an einem Ort, das Gespräch mit dem Modell an einem anderen, und ich war die Übersetzungsschicht dazwischen: Ich kopierte Ausschnitte in ein Chatfenster, las die Antwort, und trug das Ergebnis zurück. Bei jedem dieser Sprünge ging Zusammenhang verloren, und was das Modell zu sehen bekam, war immer nur ein Ausschnitt, den ich vorher ausgewählt hatte.

Also habe ich mir ein eigenes Werkzeug gebaut, Thinktank. Eine lokale Anwendung, in der eine Idee ein Ordner mit echten Dateien ist und Claude über das Agent SDK am selben Ordner arbeitet. Nicht als Chatpartner daneben, sondern mit Zugriff auf denselben Bestand. Die Anwendung kopiert dafür bewusst keine Dokumentinhalte in den Prompt. Der Agent liest selbst, mit seinen eigenen Werkzeugen, und sieht damit alles, nicht meine Auswahl.

Sie bleibt privat. Es ist zu viel von dem eingeflossen, was ich über die Jahre gelernt habe, und sie ist zu genau auf meine Abläufe zugeschnitten, als dass sie für jemand anderen sinnvoll wäre.

Wie wächst eine Idee dort?

Sie fängt mit einem Satz an. Danach kommt alles hinzu, was im Lauf der Zeit auftaucht, und zwar nicht als Notiz über die Sache, sondern als die Sache selbst: Ich ziehe Kundenfeedback in den Chat, ein Rechercheergebnis, ein PDF aus einem Termin, den Auszug aus einer Mail. Das Material wird in die Idee kopiert und bleibt an seinem Ursprungsort erhalten.

Claude arbeitet es dann ein. Nicht als Anhang, der danebenliegt, sondern an der Stelle im Konzept, an die es gehört, in die Dokumente, die schon da sind. Aus einer Sammlung von Fundstücken wird ein Text, der einen Zusammenhang hat. Das ist die Arbeit, die ich früher selbst gemacht habe, und sie ist der Teil, der beim Sammeln liegen blieb, weil er mühsam ist.

Der Teil, den ich am meisten unterschätzt hatte, sind aber nicht die Antworten. Es sind die Rückfragen. Wenn zwei Eingaben sich widersprechen, wenn eine Anforderung eine Annahme voraussetzt, die nirgends steht, wenn ich zwei Dinge mit demselben Wort bezeichne: dann fragt Claude nach, statt sich für eine Lesart zu entscheiden. Ein Widerspruch, der an dieser Stelle auffällt, kostet fünf Minuten. Derselbe Widerspruch, der erst in der Umsetzung auffällt, kostet einen Tag.

Wann ist eine Idee reif?

Jede Idee trägt einen Reifegrad in vier Stufen: Keim, in Ausarbeitung, Konzept steht, umsetzungsreif. Diese Stufe setze ausschließlich ich. Die Anwendung errät sie nicht, leitet sie nicht aus dem Umfang ab und lässt sie den Agenten nicht schätzen.

Das war eine bewusste Entscheidung, und ich halte sie für die wichtigste im ganzen Werkzeug. Die Einschätzung, ob ein Konzept trägt, ist genau die Arbeit, die man nicht abgeben darf. Ein Dokument kann vollständig aussehen und trotzdem auf einer Annahme stehen, die falsch ist. Das sieht kein Modell, das sieht nur, wer den Kunden kennt.

Was kommt am Ende heraus?

Eine Produktspezifikation, im selben Ordner wie alles andere. Der Agent kann in der Idee OpenSpec ausführen, und aus dem gewachsenen Konzept entstehen die Spec-Artefakte direkt neben den Dokumenten, aus denen sie stammen. Damit fängt Claude Code an zu bauen.

Das ist der Punkt, an dem sich für mich am meisten geändert hat. Früher lag zwischen Denken und Bauen eine Übersetzung: Aus Notizen wurden Tickets, aus Tickets wurde Code, und bei jedem Schritt ging etwas verloren oder wurde neu erfunden. Dieser Bruch ist weg. Was ich in Wochen durchdacht habe, geht ohne Umschrift in die Umsetzung, und die Umsetzung arbeitet gegen dieselbe Fassung, gegen die ich gedacht habe.

Kontrolliert bleibt es trotzdem. Der Agent ist auf das Verzeichnis seiner Idee beschränkt, hat kein Werkzeug für beliebige Shell-Befehle und arbeitet gegen eine feste Erlaubnisliste. Ein Werkzeug, das mitschreibt, braucht Grenzen, und zwar dieselben Grenzen, über die ich in Grenzen statt Anweisungen geschrieben habe.

Was kostet das, und für wen lohnt es sich nicht?

Man baut ein Werkzeug statt der Sache, um die es eigentlich geht. Das rechnet sich nur, wenn man diese Phase oft durchläuft. Wer zweimal im Jahr ein Konzept schreibt, ist mit Obsidian und einem offenen Chatfenster besser bedient und sollte die Zeit in das Konzept stecken.

Und es nimmt einem das Denken nicht ab. Es nimmt einem das Zusammentragen ab, das Umschreiben, das Nachhalten von Widersprüchen. Ob die Idee richtig ist, steht am Ende immer noch nirgends. Was ich gewinne, ist die Zahl der Durchgänge, die ich mir leisten kann, bevor die erste Zeile Code entsteht, und ein Anfang, der auf etwas Durchdachtem steht statt auf einer Notizsammlung. Das ist derselbe Gedanke wie bei Agentic Engineering: nicht das Modell besser machen, sondern den Rahmen so bauen, dass seine Arbeit dort ankommt, wo sie zählt.